Pilates in der Schwangerschaft und zur Rückbildung

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Eine Schwangerschaft ist physisch wie psychisch ein einschneidendes Erlebnis im Leben einer Frau – vor allen Dingen die erste.
Der Körper muss viele Anpassungsprozesse durchlaufen, damit das Wunder der Entstehung eines neuen menschlichen Wesens geschehen kann. Das Pilatestraining vermag die Schwangerschaft sinnvoll zu begleiten, ist aber nicht zu verwechseln mit einer Geburtsvorbereitung.

Es geht nicht um Leistungssteigerung: Ziel des Kurses ist es, durch die Pilates-Bewegungen eine gute Wahrnehmung für den sich verändernden Körper sowie einen ökonomischen Kräftehaushalt zu entwickeln. Durch das Training soll der Stoffwechsel angeregt werden, was Zustände wie Müdigkeit und Übelkeit gerade in der Anfangszeit mildern soll. Die Übungen richten sich nach dem jeweiligen Schwangerschaftsmonat der Teilnehmerinnen.

Die gezielte Aktivität der Rumpfmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule bei zunehmendem Bauchumfang und Körpergewicht: Die Bauchmuskeln können das Gewicht des Kindes und der Gebärmutter besser tragen. Diese Muskeln helfen auch bei der Geburt mit, das Kind durch den Geburtskanal zu schieben.
Haltungsschwächen und Dysbalancen können ausgeglichen werden; der Beckenboden kann der erhöhten Druckbelastung besser standhalten.
Zudem wird durch die Muskelkontraktion im Bauchraum der gesamte Darmtrakt leicht massiert; Verstopfungen soll vorgebeugt werden. Auch Wassereinlagerungen sollen reduziert werden, da die leichte Anspannung der Skelettmuskulatur den venösen Rückstrom des Blutes zum Herzen fördert. Das wiederum kann auch bestehende Krampfadern entlasten.

Auch dem Atmen wird ein hoher Stellenwert eingeräumt: Allein durch den Atem ist es möglich, das Körperbewusstsein zu steigern und damit auch die Entspannungsfähigkeit. Ziel: eine bessere Stressbewältigung sowie die Verarbeitung von Ängsten und Zweifeln.

Das Training kann die junge Mutter frühestens zehn bis zwölf Wochen nach der Entbindung wieder aufnehmen. Entscheidend sind der Verlauf der Geburt und deren Folgen. Auch hier gilt es, die Übungen in Ausführung und Intensität langsam zu steigern. Das Gewebe soll gestärkt, die Muskelfunktionen sollen vollständig wieder hergestellt werden. Maßgeblich für die Auswahl verschiedener Übungen ist, ob noch eine Rektusdiastase (Zwischenraum zwischen den beiden Muskelsträngen des geraden Bauchmuskels) vorhanden ist, und ob die Frau ihr Kind stillt. So werden die geraden Bauchmuskeln erst trainiert, wenn die sogenannte Linea alba wieder geschlossen ist und keine Rektusdiastase mehr vorhanden ist. Spezielle Übungen sollen diesen Prozess fördern.
Nach dem Training zur Rückbildung steht dem Einstieg in eine normale Pilatesgruppe nichts mehr im Wege.

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